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Petition erfolgreich! Falkenseer Eltern fordern mehr Personal in den städtischen Kitas und Horten

(Text der erfolgreichen Petition)

 

Sehr geehrter Herr Bürgermeister,

wir richten unseren Appell im Namen der Elternschaft der Kindertagesstätte Spatzenhaus an Sie. Die seit Jahren mangelhafte Personalversorgung hat in den vergangenen Monaten ein prekäres Ausmaß angenommen. Diverse Rücksprachen mit den verantwortlichen Stellen haben zu keinerlei Verbesserung geführt. Aus unserer Sicht schöpft der Fachbereich Kindertagesbetreuung der Stadt Falkensee nicht alle Möglichkeiten zur Personalgewinnung aus. Aufgrund von mehreren Langzeiterkrankungen in unserer Kindertagesstätte werden Stellen nur lückenhaft mit Personal aus anderen Einrichtungen besetzt, sodass eine ausreichende pädagogische Betreuung der Kinder sowohl bei uns als auch in anderen Einrichtungen folglich nicht gewährleistet werden kann. Es ist bekannt, dass sich aufgrund der aktuellen Nachfrage, kaum geeignete Fachkräfte auf diese zeitlich befristeten Stellenangebote bewerben. Es gibt weitaus attraktivere Angebote in Vergütung und Befristung von privaten Trägern. Wir haben von zwei Bewerberinnen erfahren, die entweder gar keine Rückmeldung auf Ihre Bewerbung erhalten oder innerhalb der zweiwöchigen Bedenkzeit, um die der Träger bat, eine andere Stelle angenommen haben. Bei der derzeitigen Unterdeckung müssen Personalfragen schneller geklärt werden, um wenigstens diese Bewerber nicht zu verlieren. Einen wichtigen und leicht umsetzbaren Ansatzpunkt sehen wir darin, die Leitungspostition der Kindertagesstätte zu 100% und deren Vertreter/in zu 50% für die pädagogische Leitungstätigkeit einzuplanen. Dieses Verfahren wird in anderen Kommunen des Landes Brandenburg ebenfalls umgesetzt. Somit hätte der Träger offiziell freie Kapazitäten, um neue unbefristete Stellen auszuschreiben. In Ausnahmesituationen, wie wir sie im November hatten und voraussichtlich gerade wieder darauf zusteuern, gäbe es so zumindest Auffangkapazitäten, um die Situation zu entschärfen.

Lt. eines Schreibens vom 2.11.2021 der Stadt Falkensee, fehlten sieben Erzieher/innen krankheitsbedingt in der Kindertagesstätte Spatzenhaus. Zeitweise waren in diesem Monat nur drei ausgebildete Erzieher/innen anwesend, die sich um die Betreuung von 91 Kindern kümmern sollten. Es ist unstrittig, dass diese Situation nicht tragbar war und bei vielen Eltern ein Unverständnis darüber herrschte, dass der Träger das hohe Risiko für Unfälle, aufgrund mangelnder Fürsorge- und Aufsichtspflicht sowie die körperliche Überlastung der verbliebenen Erzieher/innen in Kauf genommen hat. Die gesundheitlichen Nachwirkungen dieser Stressphase sind für alle Kollegen und Kolleginnen spürbar. Die dauerhafte Überbeanspruchung führt zu neuen krankheitsbedingten Ausfällen. Es bleibt keine Zeit für Erholung, Weiterbildungen, Teambildungsmaßnahmen und Supervision.

Dies ist aus unserer Sicht eine Zumutung für alle Beteiligten!

Wie sollen die wenigen Erzieher/innen der Kita Spatzenhaus Projekte vorbereiten, sich dem wichtigen Thema vorschulische Bildung widmen, Elterngespräche führen, mit externen Stellen kooperieren oder Teambesprechungen abhalten? Zudem nimmt die aktuelle Lage mitunter unerträgliche Ausmaße für viele Eltern an. Die betroffenen Eltern sind am Ende ihrer Kräfte und finanziellen Möglichkeiten. Zum Teil stehen Arbeitsplätze auf dem Spiel, weil Kinder zu Hause betreut werden sollen bzw. die Öffnungszeiten eingeschränkt sind.

Unser Unmut bezieht sich hierbei auf ein jahrelanges Grundsatzproblem. Die Qualität der Kinderbetreuung leidet aufgrund struktureller Probleme, die nicht erst seit dem Beginn der Pandemie bestehen. Der Mangel an Fachkräften ist für die Kita Spatzenhaus bereits in den Jahren davor ein bekanntes Problem, für das keine zufriedenstellende Lösung seitens des Trägers erbracht wurde. Mit den absehbaren Renteneintritten in den kommenden Jahren wird sich dieser Konflikt noch verschärfen. Es muss zu vorausschauenden Einstellungen über den aktuellen Bedarf kommen, um die kurz- und langfristigen Personallücken abzudecken.

Im Jahr 2021 wurden wir Eltern seitens des Fachbereiches Kindertagesbetreuung, bis auf den Monat Februar, dauerhaft darum gebeten eine Betreuungsalternative zu organisieren. Zudem wurde darauf hingewiesen, dass das verbleibende Personal die Fürsorge- und Aufsichtspflicht als Haupttätigkeit gewährleisten wird.
Begründung

Bildungsforscher sind sich jedoch einig, dass die vorschulische Bildung bedeutend für den weiteren Bildungserfolg der Kinder ist. Aus unserer Sicht benötigt es mehr als eine/n Erzieher/in, welche/r aufgrund der Umstände nur als eine Art „Aufsichtsperson“ für mehrere Kinder fungiert.

Einen weiteren Kritikpunkt sehen wir als Eltern in der Zeitdauer von Stellenneubesetzungen. Trotz pandemiebedingter Erschwernisse muss es möglich sein, innerhalb eines Jahres neue Mitarbeiter einzustellen.

Die Zeit der eingeschränkten Betreuung betraf folgende Zeiträume:
- 14.-22.1.21
- 6.3.-1.4.21
- 15.4.-6.8.21
- 16.9.-29.10.21
- November 2021
- 15.-23.12.21

Wir fragen, warum nicht genügend Personal eingestellt wird? Wir fragen, warum das vorhandene geeignete Personal nicht langfristig gebunden wird? Wir fragen, warum kein externes Personal gebucht wird, um lange Ausfallzeiten von Erzieher*innen schnell zu kompensieren?

Auszug aus dem Gute-KiTa-Gesetz:

Die Maßnahmen zur Verbesserung der Qualität und Teilhabe im Kitabereich können – dank der Anpassung und Verlängerung des Handlungs- und Finanzierungskonzeptes des Gute-KiTa-Gesetzes – bis 2022 bedarfsgerecht fortgesetzt bzw. neu etabliert werden, finanziert vom Bund und teils zusätzlich vom Land. Das Ziel ist es, die Qualität der Kindertagesbetreuung weiter zu verbessern und den gesellschaftlichen wie auch demografischen Anforderungen anzupassen. Unsere Projekte, die wir aus den Bundesmitteln des Gute-KiTa-Gesetzes finanzieren, zielen auf eine dauerhafte Verbesserung der Kita-Qualität ab. In 2021 und 2022 beteiligt sich der Bund deshalb weiter an der Verbesserung der Personalbemessung im Kindergarten, der Kindertagespflege, der Fachkräftegewinnung und der Elternbeteiligung.

Lt. Auszug aus dem Gute-KiTa-Gesetz erhält das Land Brandenburg bis 2022 einen Betrag von rund 165 Millionen Euro vom Bund, um die Qualität in den Kitas zu verbessern. Zudem finanziert die Landesregierung aus eigenen Mitteln mit jährlich ca. 500 Millionen Euro die Kindertagesstätten. Vorrangig soll dabei folgendes umgesetzt werden:

-       Ausweitung Elternbeitragsfreiheit für Geringverdienende
-       Verbesserung der Personalbemessung
-       Finanzielle Förderung längerer Betreuungszeiten
-       Stärkung der Elternbeteiligung
-       Mehr Zeit für Anleitung
-       Förderung kindlicher Entwicklung, Gesundheit, Ernährung und Bewegung

Wenn man die Zahlen betrachtet, welche der Bund dem Land zur Verfügung gestellt hat bzw. stellen wird, fragen wir: wird dieses Geld tatsächlich und in den notwendigen Bereichen eingesetzt?

Ein kurzes Beispiel. Bezüglich des Punktes: Verbesserung der Personalbemessung.

Mit der Anhebung der Personalbemessung wird die Fachkräftesituation für Kinder im Kindergartenalter dauerhaft verbessert, da es empirisch belegt ist, dass die Qualität pädagogischer Arbeit mit der Fachkraft-Kind-Relation zusammenhängt.

Dafür wurden im Jahr 2020 ca. 16 Millionen Euro Landesmittel eingesetzt. Für 2021 sind insgesamt 39,9 Millionen Euro veranschlagt. Rechnerisch können dadurch lt. eigenen Angaben zusätzlich ca. 650 Fachkräfte in Vollzeit beschäftigt werden.

Wenn man o.g. Satz betrachtet und zeitgleich weiß, dass der Betreuungsschlüssel von 1:11 auf 1:10 verändert worden ist, fragen wir uns, wie dadurch die Fachkräftesituation dauerhaft verbessert werden soll. In unserem Fall betreut aufgrund des fehlenden Personals (sei es Krankheit oder der unbesetzten Stelle) ein/e Erzieher/in im ungünstigsten Fall weiterhin 18 Kinder, da die Kita nur mit dem Personal arbeiten kann, welches vorhanden ist.

Wir bitten schnellstmöglich um Antwort.

Mit freundlichen Grüßen

Die Elternschaft der Kiats Spatzennest, Kita Seegefelder Strolche, Kita Am Gutspark, Kita Am See, Kita Rohrbecker Weg, Kita Sonnenstrahl, Kita Villa Kleeblatt, Kita Wirbelwind, Sportkita Falkennest, Kita Leipziger Allerlei

 

-> zur Petition


(elka) 712 Falkenseer haben die Petition gezeichnet, 609 waren nötig. Wie sich der Bürgermeister verhält, ob er weiteres Personal einstellt, der Pandemie die Schuld gibt, dafür dass er zu wenig Leute einstellt? Wir bleiben am Ball.

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